Automatisierte Bestandsdaten

Das neue Normal

SARS-CoV-2 hat die Logistikbranche hart getroffen. Während einzelne Bereiche wie E-Commerce, Lebensmittellogistik, Medizinproduktelogistik sowie einige Bereiche der Technologielogistik kurzfristig von den Auswirkungen der Pandemie profitieren konnten, sind viele andere Bereiche der Logistik fast zum Erliegen gekommen. Die "neue Normalität" - ein nachhaltiger Umgang mit globalen Risikoszenarien in Verbindung mit Umweltfaktoren oder sogar extremen medizinischen Situationen - ist aufgrund des Innovationsmanagements von Unternehmen, die in den Bereichen Digitalisierung und Automatisierung vorbereitet sind, schnell Realität geworden. Mittelständische Unternehmen oder Vertreter von Drittanbieter-Logistikdienstleistern (3PL), die mit sehr geringen Margen operieren müssen und sich nicht angemessen auf mögliche Bedrohungsszenarien, wie einem Lockdown oder eine Betriebsschließung,vorbereiten konnten, sind deutlich hinter der Konkurrenz zurückgeblieben. ## Die Notwendigkeit der Automatisierung Die Bundesvereinigung Logistik (BVL e.V.) 1 sieht die Wirtschaft in einer kritischen Situation, aus der sie sich nach allen bekannten Prognosen frühestens im ersten Quartal 2021 schrittweise befreien kann. Die Deutsche Verkehrszeitung (DVZ) 2 fügt hinzu, dass diese Erholung mit der Digitalisierung und Automatisierung kritischer Prozesse entlang der Lieferkette einhergehen muss. Dies umfasst auch die Themen digitale Zwillinge und automatisierte Datenerfassung, -analyse und -verarbeitung. Der Mensch wird als kritischer Faktor entlang der globalen Prozess- und Wertschöpfungsketten angesehen. Während sich diese Faktoren bereits in Bereichen wie der Fleischindustrie oder der Landwirtschaft bemerkbar gemacht haben, wurde die Logistik bisher geschont. Dies kann und wird sich ändern, wenn ähnlich wie in den genannten Bereichen, unbekanntes Personal vorübergehend für saisonale Aktivitäten wie Inventarisierung und andere damit verbundene Aufgaben hinzugezogen werden muss. ## Drohnen für die Logistik Andere Branchen haben bereits erheblich vom Einsatz unbemannter Luftfahrzeuge oder Drohnen (UAV oder UAS) profitiert. Die digitale Landwirtschaft ist ohne die Unterstützung von Luftbildern, Sensordaten aus der Luft (Multi- oder Hyperspektraldaten) oder Volumeninformationen auf der Basis von Punktwolken fast undenkbar. Auch Landvermessung, digitale Baustellen und Industrieinspektionen profitieren seit vielen Jahren von automatisierten Drohnen. Im Vergleich dazu befindet sich die Logistik noch in einem frühen Entwicklungsstadium. Während das Thema Drohnenverkehr noch an die Grenzen der Regulierung des Flugverkehrs stößt, kann der Einsatz von Drohnen in Bereichen wie der Logistik mit Blocklagerung im Freien oder Palettenregalen in Lagern bereits heute umgesetzt werden. Die ersten erfolgreichen Pilotprojekte haben gezeigt, dass Drohnen einen wesentlichen Mehrwert in Bezug auf Kosten- und Zeitersparnis bieten - eine Reduzierung um 80% und mehr ist möglich - sowie eine Entlastung der Humanressourcen im Zusammenhang mit der Bestandserfassung im Bereich von Palettenregallagern oder leert Lagerflächen in der Automobilindustrie. Ein weiterer Aspekt ist die Unabhängigkeit von zusätzlichem Personal für Inventarisierungsaufgaben. Die Erfahrung im Zusammenhang mit COVID-19 hat gezeigt, dass Drohnen, die automatisch Daten erfassen und Flüge abschließen können, einen positiven Einfluss auf die Reduzierung des Infektionsrisikos haben, wenn ein direkter Kontakt zwischen Mitarbeitern vermieden werden kann. Neben der Automatisierung bietet die Verwendung eines digitalen Realitätsbildes eine Reihe von Gründen, die dafür sprechen, sich auch in der Logistik auf Drohnen und künstliche Intelligenz zu verlassen. ## Ein digitaler Zwilling Innovative Technologien und Digitalisierung sind nach der Analyse des Fraunhofer-Zentrums für Angewandte Forschung zwei der Haupttreiber für die Weiterentwicklung der Logistik. Der Studie zufolge dürfen diese jedoch kein Selbstzweck sein, sondern müssen direkt zur Optimierung der Prozessqualität und -effektivität beitragen. In einer Umgebung, die immer noch von vielen manuellen Aktivitäten geprägt ist, die von den Mitarbeitern übernommen werden, spielen Genauigkeit, Planungssicherheit und nahtlose Kommunikation eine entscheidende Rolle. Gleichzeitig beeinflussen kurze Vertragslaufzeiten zwischen Logistikdienstleistern und Kunden mittel- und langfristig den Innovationsspielraum. Automatisierung ist nur möglich, wenn Flexibilität und Agilität erhalten bleiben. Neue Technologien, die mit hohen Anfangsinvestitionen verbunden sind, gewinnen auf dieser Basis nur langsam an Akzeptanz. Der automatisierte, digitale und regelmäßige Vergleich zwischen Ziel- und Istwerten in Enterprise-Management-Systemen (WMS oder ERP) kann jedoch mit Hilfe von Drohnen ohne hohe Investitionen und weitreichende Eingriffe in die etablierte Prozesslandschaft durchgeführt werden. Mit den fortschrittlichsten Lösungen wie inventAIRy XL oder summAIRy. sky, es ist bereits möglich, in Zeiten außerhalb der Spitzenzeiten Bilanz zu ziehen, ohne wertvolle Mitarbeiter einzusetzen. Beide Systeme können auf Knopfdruck von einer Zentrale aus aktiviert werden und zeichnen dann die Basisdaten autonom für eine spätere Auswertung des Inventars auf. Diese Daten werden ebenfalls automatisch verarbeitet: Die gesammelten Informationen werden mit einem Upload auf einen lokalen Server oder eine private Cloud verarbeitet und dann an die WMS- oder ERP-Prozessleitsysteme übertragen. Darüber hinaus bieten solche Lösungen einen 1:1-Zwilling der Realität in visueller Form, archivieren den Status Quo, schaffen Beweissicherheit und liefern Bilddaten, die für die mit Hilfe von maschinellem Lernen (ML) für weitere Analysen genutzt werden können (Erkennung von Anomalien, Inspektionsaufgaben, Leerraum Erkennung, Zielbereich überschritten usw.). ## Die Zukunft der Logistikdrohnen Sobald Drohnen in großem Umfang in der Logistik eingesetzt werden, wird es neben der Bestandserfassung zahlreiche weitere Anwendungsszenarien geben. Prozessüberwachung, Überwachung kritischer Systeme und Inspektionsaufgaben in Regalen, Rauchmeldeanlagen oder anderen relevanten Innenbereichen, sind nur einige davon. Die Grenzen des Machbaren können mit den wachsenden Anforderungen weiter verschoben werden.

Referenzen (1) https://logistik-heute.de/news/corona-logistikweise-rechnen-mit-langsamer-erholung-der-logistik-30595.html

(2) https://www.dvz.de/rubriken/meinung/detail/news/nach-corona-droht-die-digitale-zweiteilung-der-logistik.html

(3) Top 100 in European Transport and Logistics Services 2019/2020, Martin Schwmmer and Alexander Pflaum, Nuremberg, 2019